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Väter in Kitas Schritte zu einer Väter-freundlichen Kindertagesstätte "Der Kindergarten ist zunächst einmal ein Ort für meinen Sohn. Da hat der außerhalb unserer Familie seinen Platz ... Dann ist der Kindergarten vielleicht noch ein Ort für meine Frau, wo die ihre Kontakte knüpfen und pflegen kann. Die wechselt schon mal ein paar Worte mit den anderen Müttern, wenn sie unseren Sohn bringt. Ich hingegen, gebe ihn meist nur ab … Der Kindergarten als ein Ort für mich? Dieser Gedanke ist mir zunächst mal fremd." (Zitat eines Vaters in einem Väter-Kinder-Projekt in einer Kita) Väter sind oft nur "Zaungäste" an der Tür zur Kindertagesstätte. Sie selbst fühlen sich dort wenig zu Hause. Die Kindertagesstätte betrachten sie zunächst als einen Ort zur Erziehung und Betreuung ihrer Kinder. Im Zuge der "Erziehungspartnerschaft" in der Kita ist es aber sehr wichtig, auch Väter direkt einzubeziehen. Um Väter zu gewinnen, sind zwei Bereiche zu gestalten: Räume für eine aktive Vaterschaft:  Wie kann ich als Vater aktiv die Entwicklung meines Kindes fördern? Wo liegen hier die besonderen Stärken der Väter? Aber auch: Was macht mir das aktive Vatersein oftmals schwer? Der Kindergarten oder die Kindertagesstätte könnte ein Ort sein, an dem Väter ihr Vatersein reflektieren. Räume für Väter und Kinder: Wo liegen die besonderen Möglichkeiten und Fähigkeiten von Vätern bei der Erziehung ihrer Kinder? Wie lässt sich ihr Engagement fördern? Welche Möglichkeiten bieten sich im Jahreslauf für gemeinsame Vater-Kind-Aktionen? Wie sind diese so zu gestalten, dass sie für Väter und Kinder in gleicher Weise attraktiv sind? Die Kindertagesstätte könnte ein Ort sein, an dem sich Väter aktiv in die Erziehung ihrer Kinder einbringen. Schritte zu einer väterfreundlichen Kindertagesstätte: Die Kindertagesstätte ist für Väter dann zu öffnen, wenn sie normalerweise geschlossen ist: am späteren Nachmittag, abends und am Wochenende. Nach wie vor fällt die Erziehung kleiner Kinder immer noch hauptsächlich in den Kompetenzbereich der Mütter. (Sei es aus pragmatischen Gründen der Arbeitsteilung oder aus Überzeugung über die jeweiligen Fähigkeiten.) Die Eltern werden gegenüber der Kindertagesstätte darum auch zumeist von Frauen vertreten. Will man Väter in die Arbeit der Kindertagesstätte einbinden, muss man sie deshalb auch explizit ansprechen und einladen. Angebote für Väter müssen einen Wert für die Väter darstellen. Den gewinnen sie  für Väter beispielsweise dadurch, dass sie als Väter explizit und im Blick auf ihre eigenen Kompetenzen angesprochen werden. Wenn sie wirklich gefragt sind, werden sie sich mit oder für ihre Kinder und auch für die Einrichtung engagieren. Wichtig ist, dass die Väter sich auf dem Terrain der Kita "sicher" fühlen können. Sie müssen wissen, worauf sie sich konkret einlassen und was sie erwarten dürfen. Es ist zu beobachten, dass Erzieherinnen zuweilen einen "Defizit-Blick" auf die Väter werfen. Sie setzen voraus, dass diese sich verändern müssten oder was sie lernen sollten. Das erschwert die Arbeit mit den Vätern. Väter wollen in einem Bereich wie der Kindertagesstätte, in dem sie möglicherweise tendenziell unsicher sind und sich fremd fühlen, zunächst einmal als Partner bei ihren Stärken angesprochen und wertgeschätzt werden. Wenn sie ihre Kompetenzen im Kontakt und aktiv unter Beweis stellen und eine positive Resonanz wahrnehmen konnten, gelingt es ihnen, sich zu öffnen. Sie werden dann selbst die von ihnen erlebten Defizite benennen können.